Luftdrucke : Aussetzen oder Stocken des Extruders.

Es kann mal passieren: Nach der Hälfte des Druckvorgangs stoppt plötzlich der Extruder und es wird nur noch “ Luft “ gedruckt. Es kann aber auch vorkommen , daß nur noch unregelmäßig gedruckt wird , der Extruder stoppt , arbeitet aber nach einer Pause wieder weiter.  Dies führt zu unterbrochenen Drucklinien, wie sie hier zu sehen sind.

stiokkende extrusie

Eine ganz andere Ursache hat der Druck von sogenannten “ Spaghetti “ : Der Extruder arbeitet einwandfrei , aber die Druckfäden haften nicht mehr aneinander und der Innenraum des Druckers wird mit  “ Spaghetti “ gefüllt. Auf diese Problematik wird hier allerdings nicht weiter eingegangen.

spaghetti

Es gibt eine große Anzahl von Problemen, die daran Schuld sind, daß keine Druckschichten mehr gedruckt werden, obwohl der Druckkopf einwandfrei zu arbeiten scheint und sich normal über das Druckbett bewegt.

Eine kurze Erklärung zu den Bezeichnungen “ Hotend “ und “ Coldend “ :  Das “ Hotend “ besteht aus Düse ( Nozzle ) , dem Heizblock mit Heizpatrone und Thermosensor und der thermischen Barriere ( “ Barrel “ ) darüber. Das “ Coldend “ besteht aus dem Extruder ( Schrittmotor, Antriebszahnrad und Klemmechanismus  ) und dem Trägerschlitten auf dem alles installiert ist.

Es empfiehlt sich , zuerst in Erfahrung zu bringen, was tatsächlich am Extruder passiert, da es die unterschiedlichsten Fehlerursachen gibt.

  1. Das Antriebszahnrad dreht sich , scheint aber zu springen : Ein klackendes Geräusch ist zu hören. Vermutlich ist das Hotend oder die Düse verstopft.
  2. Das Antriebszahnrad dreht sich kontinuierlich aber der Filamentdraht sieht aus wie “ abgeschleift “ :  Wahrscheinlich wird das Antriebszahnrad durch Filamentrückstände blockiert , eine Einbuchtung ist im Filamentdraht nach der Herausnahme ebenfalls zu sehen. Dadurch wird die Filamentzufuhr blockiert und das Hotend verstopft.
  3. Das Antriebszahnrad bewegt sich nicht, obwohl die Motorachse dreht : Es ist wahrscheinlich, daß sich die Arretierschraube des Zahnrads gelöst hat und mit Hilfe eines Inbusschlüssels angezogen werden muß. Hierbei ist darauf zu achten, daß die Schraube am flachen Teil der Motorachse angezogen wird.
  4. Antriebszahnrad und Motorachse bewegen sich nicht während des Druckvorgangs : Es ist zwar  nicht sehr wahrscheinlich , aber es könnte daran liegen , das der Motor , das Anschlusskabel und / oder die Motorsteuerung defekt sind. Wahrscheinlicher ist ein nicht korrekt sitzendes Kabel, daher wäre es einfacher , das Kabel sowohl am Motor als auch an der Steuerplatine zu kontrollieren. Diese befindet sich hinter der Rückplatte des Druckers, aber bitte nach dem Lösen der Schrauben die Platte nicht direkt wegnehmen, zuerst muß die Verbindung zwischen Gehäuselüfter und Steuerplatine gelöst werden !

Die angegebenen Fehler sind in der Wahrscheinlich keit ihres Auftretens angeordnet , daher ist es ratsam  , die obige Liste auch von oben nach unten abzuarbeiten, um so den Fehler zu finden !

Checkliste Printer und Mechanik :


1. Verdrehtes Filament

Wurde das Filament nicht sorgfältig auf die Filamentspule aufgewickelt , besteht die Gefahr , daß sich durch die Drehbewegung die Filamentfäden immer weiter zusammenziehen bis der Filamenttransport stockt oder komplett stoppt. Dies kann auch passieren, wenn die Spule fast abgewickelt ist oder der Spulenkörper schräg auf dem Spulenhalter sitzt. Einen Lösungsvorschlag dafür gibt es hier.


2. Der Hebel oberhalb des Extruders befindet sich in der falschen Stellung .

Befindet sich der Hebel links bzw. nicht vollständig rechts , so wird das Filament nicht an das Antriebszahnrad gepresst und kann nicht weiter transportiert werden.


3. Das Antriebszahnrad ist voller Rückstände oder beschädigt :

Das Antriebszahnrad kann mit Hilfe eines Zahnstochers von den Rückständen befreit werden , geeignet sind auch kleine Messingbürstchen, wie sie als Zubehör z.B. von Dremel verkauft werden. Sind die Rückstände sehr massiv, muss das Zahnrad von der Achse abgezogen und mittels eines Teppichmessers gereinigt werden. Bei Nutzung von Metallpulver Filamenten, z.B. CopperFill kann das Zahnrad sehr schnell verschleißen. Eventuell kann das Zahnrad auf der Motorachse versetzt werden , um mit dem unbeschädigten Teilbereich weiter zu arbeiten , es sollte jedoch schnellstens durch ein neues Zahnrad ersetzt werden. Bei gebräuchlichem Filament sollte dies nicht allzu schnell nötig sein. Die Arretierschraube des Zahnrads muß mit Hilfe eines Inbusschlüssels angezogen werden . Hierbei ist darauf zu achten, daß die Schraube am flachen Teil der Motorachse angezogen wird.


4. Losgelöste Komponenten verhindern eine einwandfreie Filamentzufuhr / Der Extruderlüfter bewegt sich nicht

Die beiden Buchsen zwischen denen sich der Teflonschlauch befindet ( Der Schlauch, der den Filamentfaden zwischen Filamentspule und Extruder führt und vor mechanischer Belastung schützt ) könnten sich lösen , dies führt dazu , daß der Schlauch schräg in den Buchsenführungen sitzt . Sollte sich der Extruderlüfter nicht bewegen , ist angeraten , zunnächst den Stecker bzw. den Verbinder zu kontrollieren. Sehr unwahrscheinlich ist eine komplette Ablösung des gesamten Extruderschlittens.


5. Die einfachste Lösung bei einem verstopften Hotend :

Bevor Sie irgend etwas anderes in Betracht ziehen : Heizen Sie die Extruderdüse manuell über das LCD Menü auf und lassen Sie den Extrudermotor rückwärts laufen , um zu versuchen , das Filament herauszubekommen. Wählen Sie am Besten eine höhere Temperatur als beim normalen Druck z.B. 230 Grad für PLA statt 215 Grad. Ist es noch immer nicht möglich , das Filament mittels Motor herauszubefördern , können Sie versuchen , es ohne große Kraftanwendung herauszuziehen. Bitte dabei die Temperatur erneut erhöhen , um sicherzustellen das das Filament wieder flexibel wird und nicht versuchen , das Filament im kalten Zustand heraus zu ziehen. Danach neues Filament einführen ; ( Die ersten 10 cm abschneiden ) zu 90% dürfte das verstopfte Hotend wieder frei sein.


6. Verstopftes Hotend reinigen , diesmal etwas nachdrücklicher :-)

Falls sich das Filament trotz der obigen Anleitung nicht entfernen läßt, so ist es wohl im Hotend kurzfristig zu heiß geworden und danach abgekühlt und blockiert jetzt als hartgewordener Pfropfen den Filamentweg. Erhöhen Sie die Temperatur der Düse auf 250 Grad Celsius und versuchen Sie mit dem kleinsten Inbusschlüssel das heiße Filament nach unten aus der Düse zu drücken. Dazu muß der Hebel des Extruders in die linke Stellung gebracht werden, sonst paßt der Inbusschlüssel nicht hinein . Es kann einige Zeit dauern, bis die Temperatur 250 Grad erreicht und der Pfropfen beginnt , weich zu werden . Eventuell kann die Lüftereinheit entfernt werden , um die Temperaturabgabe zu erhöhen.  Es ist jetzt sehr wichtig , ständig den Inbusschlüssel hin- und herzubewegen , damit der Pfropfen endgültig schmilzt und nach unten ausgedrückt werden kann. Die Lüftereinheit bitte danach wieder befestigen.

Wahrscheinlich ist es jetzt wieder möglich, normal zu arbeiten.


7. Verstopfte Düse

Hilft auch die Anleitung unter Punkt 6 nicht weiter, so kann es sein , daß die Düse selber verstopft ist. Dies kann durch kleine Staubteilchen oder sehr kleine Filamentrückstände verursacht werden. Die einzige Lösung ist , die Düse zu entfernen und “ freizubrennen “ oder sie komplett zu ersetzen. Die Anleitung zur Reinigung finden Sie hier .

8. Verstopftes Hotend , die endgültige Lösung.

Es kann natürlich sein, daß alle angebotenen Lösungen nicht zum Erfolg führen , dann bietet sich als letzte Lösung folgende Anleitung an , den Link finden Sie hier .


 

 

Checkliste der Slicer Einstellungen :

Alle bisherigen Probleme hatten mechanische Ursachen , allerdings können einige Probleme auch durch Druckeinstellungen verursacht werden , diese sind unten aufgeführt.

  1. Drucktemperatur zu niedrig : Das Filament schmilzt nicht in ausreichender Menge oder nicht schnell genug bei hohen Druckgeschwindigkeiten.
  2. Drucktemperatur zu hoch : Die Wärme erreicht nicht vorgesehene, zu hohe Bereiche des Hotends und kann das dortige Filament aufweichen und einen Pfropfen zur Folge haben.
  3. Sehr hohe Druckgeschwindigkeit in Verbindung mit überhöhter Temperatur : siehe 2 .
  4. Nicht funktionierender Extruderlüfter :  Bei einem Ausfall des Extruderlüfters ( z.B. durch eine gelöste Verbindung ) wird die thermische Barriere nicht mehr gekühlt , siehe 2.
  5. Zu hohe Druckgeschwindigkeiten evtl. kombiniert mit großer Modellhöhe:  Sollte  darüberhinaus die Temperatur zu hoch oder zu niedrig sein , kann dies bedeuten , daß das Filament nicht in genügender Menge nachgeführt wird , was letztendlich zu unterbrochenen Drucklinien führt. Abhilfe schafft hier eine deutliche Absenkung der Druckgeswchwindigkeit.
  6. Das Druckbett ist nicht gut eingestellt ( nivelliert ) : Wenn die Düse sich zusätzlich in zu geringem Abstand zum Bett befindet , kann das Filament nicht aus der Düse austreten , was zu einem stockenden Extruder und abgeschleiften Filamentdraht führt .
  7. Zuviel Filament tritt aus der Düse aus : In diesem Fall kann das Filament in den oberen Druckschichten nicht mehr in genügender Menge austreten. Meistens ist dies der Fall , wenn die Druckmodelle zu massiv ausgedruckt werden oder die Füllung “ Infill “ einen sehr hohen Wert besitzt. Abhilfe schafft hier, den Filamentdurchmesser im Slicer Programm zu erhöhen.
  8. Die Funktion “ Destringing “ wird in zu hohem Maße genutzt :  Müssen während des Drucks viele kleine Abstände zu kleinen “ Druckinseln “ abgefahren werden , führt dies dazu , daß durch diese eher kleinen “ Fahrten “ und einem geringen Filamentverbrauch das Filament durch die Auf- und Abbewegung durch das Antriebszahnrad  wenig bewegt wird . Auf Dauer wird der Filamentdraht dadurch langsam abgeschleift. Als Lösung wird empfohlen, die Druckgeschwindigkeit zu verringern , die Geschwindigkeit der Funktion “ Retract “  zu verringern und den Abstand zu verringern , der den Einsatzpunkt der “ Retract “ Funktion festlegt .
  9. Experimentelle ( “ Exotische “ ) Druckmaterialien : Werden Materialien mit Zusätzen wie Metall- , Holz- , Carbonpulver etc. genutzt , können die darin enthaltenen, sehr kleinen , Bestandteile die Düse verstopfen , ähnlich wie Staubteilchen.

 

Speziell bei Problemen mit ungleichen Drucklinien : Außer den oben aufgeführten Problemen, bei denen zu hohe Druckgeschwindigkeit und der damit verbundene unzureichende Filamentfluß das Wahrscheinlichste ist , sind verunreinigte Antriebszahnräder die zweite Ursache für die meisten anderen Probleme , die den kontinuierlichen Transport des Filamentdrahtes betreffen.

 

 

 

 

 

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